Vernissagerede am 25. 5. 2000 / Hanno Metzler bei Alcatel

Ordnung und technische Perfektion bestimmen das Bild beim Hereinkommen.
Wo sind die Arbeiten wirklich?

Vor dem Bau von Alcatel, an den Wänden, auf den Ablagen, bis hinauf in den 1. Stock begleiten sie uns unaufdringlich, weil wir es mit eigenständigen Arbeiten zu tun haben.

Achsteine, Fundstücke, Mellauer Kieselkalk, Steine aus der Heimat, sind Basismaterial für die Bestückung von Hanno Metzlers heutiger Ausstellung mit Reliefen und Objekten: entstanden aus genau diesem harten Material, das härter ist als Granit: dh, der Mellauer Stein im Besonderen hält, laut Metzler, viel aus.

Technik

Der Bildhauer arbeitet mit Flex, Hammer und Meißel, teils schleift er nach, auch mit der Drahtbürste.

Metzler verwendet durchgängig eine geometrische Formensprache, die einsehbare und rational erfassbare idealisierte Grundstrukturen, nämlich das Quadrat, das Dreieck, das Rechteck und auch den Kreis umfasst; sowie den Würfel, den Quader.

Zu den skulpturalen Blöcken

Indem Hanno Metzler aus dem Stein Material herausholt, fügt er scheinbar auch hinzu.Er arbeitet aber nicht mit Bausteinen, sondern mit je einem kleinen Solitär.Was wie ein Aufbau wirkt (Nr. 3 / Kreuzpfeiler, Nr. 14 Burg), ist das Ergebnis eines unwiederbringlichen Wegnehmens vom Stein.

Monumentales in Kleinformat: monumental, weil es aufragt, einzeln, vertikal, hierartisch, unbeweglich ist. Aber: in monumentaler Größe würde es uns den Verlust des eigenen Maßstabes fühlen lassen, wir könnten uns verlieren. Die von konsequent wiederholten Formen strukturierte Oberfläche wirkt auf den ersten Blick wie perfekt überzogen von einem maßgeschneiderten Gewand:

Aber Einschnitte geben den Blick frei ins Innere des Steines: auf lineare Furchen, quadratische und dreieckige Vertiefungen, sanfte Ausformungen. Sie lenken den Blick an der Oberfläche hin und her, glättende Lichtreflexe, unruhige Lichtreflexe, Schatten in der Tiefe der Furchen, immer in Spannung zum Volumen des Steinkörpers. Oder die raue Oberfläche gegen die glatt polierte gesetzt, die eine Bewegung" suggeriert, die sich in unserem Kopf abspielt.

Gibt man sich den Effekten hin, bleibt die Meißelarbeit des Bildhauers nur bei vergleichendem Hinsehen im Detail zu erkennen.

Die Illusion von Tiefe oder von Geschmeidigkeit bergen eine haptische Qualität, die keine Angst vor Fingernägeln hat. So manche Arbeit will in die Hand genommen werden, will kontrolliert werden, ob sie nun weiterhin Stein ist, oder eine Wandlung erfahren hat in Textiles, Weiches, Glattes: die polierte Oberfläche (Relief: Nr. 36 / abgenutzt): lässt eine minimale Vertiefung erspüren, die sich nur durch das Fühlen bestätigen lässt, Nr. 41/Tanz täuscht schwingenden, leichten Stoff vor.

Metzler gelingt es, so etwas wie eine Regung aus den Steinen herauszuholen, auch in Nr. 40 /gebeugt seiner feinen Biegung, oder im Relief N r. 37. ist ein Augenblick erfasst, in dem der Wind durch das Gras fährt. In Nr. 9/ Rippen, suggeriert er Rippen die durch Atmung immer leicht bewegt werden, beweglich sein müssen, in der größeren Arbeit Nr. 5/Reptil, fügen sich die Dreiecksformen zu einem festen Panzer, der trotz Festigkeit einem Tier noch Bewegung erlauben muss.

Die Findlinge aus der Ach / Nr. 43 im Aufgang sind durch Bearbeitung und Hängung gar ihrer Schwerkraft enthoben. Lebendigkeit also ist in Metzlers Steinarbeiten enthalten! Die Wiederholung der positiv-negativ gegeneinandergesetzten Dreiecksformen und die Masse im Raum implizieren das Gefühl von Bewegung, gepaart mit mathematischer Exaktheit. Zusammen vermitteln diese Faktoren zugleich ein hohes Maß an Ästhetik.

Strikte lineare Richtungsangaben beherrschen das Relief Nr. 51 - "Ordnung", es scheint, dass an den Chaos-Begriff der Griechen anknüpft wurde, weil Chaos zugleich auch Ordnung bedeutete. Das Relief erinnert auch an die Darstellung von abstrahlenden Gestirnen und ihren Wirkungen in den Himmeln der expressionisten Maler und später an die frühen Bilder Gerhard Richters (z.B. Madrid/1968): dort sind es Straßenzüge, gesäumt von unterschiedlich hohen heilen oder ruinösen Häuserzeilen. -

Zerfurchte Oberflächen, systematisch angelegt, teils weggebrochene oder weggeschliffene Kanten erreichen Bildcharakter, wirken malerisch. Zum Malerischen gehört auch die Farbe. Hier ist Metzler an das von der Natur vorgegebene Schwarz-Grau gebunden, das ihm reizvolle weiße Kalkeinschlüsse oder -Oberflächen anbietet.

Die Aussage des Malers Francis Bacon: "Jede Form, die man macht, hat eine Bedeutung, so dass man weiß, wenn man jemanden malt, dass man natürlich nicht nur der äußeren Erscheinung nachkommen will, sondern auch der Art wie er einen berührt hat.", könnte auch für Hanno Metzler gelten; denn seine innere Erfahrung bleibt ihm zwar eigen, aber seine Arbeiten spiegeln uns Gefühl und Achtsamkeit gegenüber formalen Verknüpfungen und emotional wirkenden Bezügen.

Hanno Metzlers Arbeitungsweise verleiht seinen Arbeiten eine Lebendigkeit, fern jeglicher Starrheit und Perfektion rein technischer Gegenstände. Vergleichbar den Vögeln, die nicht nur auf Zweigen, sondern auch auf den Drähten sitzend weitersingen ...

Seine Objekte und Reliefs halten die individuelle Schwingung seiner persönlichen Handschrift fest. Der Künstler erreicht ein ausgeglichenes und trotzdem spannungsvolles Verhältnis zwischen Material, Farbigkeit, Bearbeitung, Wirkung.

Hanno Metzler ist somit eine große Variationsbreite in seinen jüngsten Arbeiten gelungen.

Er gibt den Arbeiten zwar Titel, aber auch ohne diese sprechen seine Arbeiten, was über einen harten bearbeiteten Stein vermittelt werden kann.

Mag. Marion Kotula-Studer mail

   
© www.hannometzler.at     Letzte Änderung: 10.8.2004