zur ausstellung von hanno metzler in der galerie allerArt/remise bludenz

14. märz - 7. April 2002

der bildhauer

wenn der stein die leinwand ersetzt, macht der bildhauer bilder. er bewegt sich auf einem terrain, das nahe der grenze liegt, der grenze zu einem anderen bereich der bildenden kunst, wenn hier die skulptur steht, ist dort die malerei oder die zeichnung, aber das ist andere geschichte. wäre er kein bildhauer, hätte er sich möglicherweise von dieser seite her der grenze genähert.

"limes" nennt hanno metzler folgerichtig seine ausstellung: 46 stück wandarbeiten aus granit und mellauer stein. allesamt im quadrat, 36 mal 36 zentimeter, eine quadratzahl, die auch den mathematiker in hanno metzler sprechen läßt. limes als grenzwert, der klare grundraster dient der orientierung in einer schier uferlosen menge an bildmöglichkeiten.

die bildmöglichkeiten: das spektrum der formensprache ist weit. es ist eine auseinandersetzung mit grundtypen und ihren wirkungsebenen. und es beginnt eine suche nach ordnung und nach dem bezug, den die unterschiedlichen ausformungen zueinander haben. es ist ein ausloten einer - wie dieter henrich es nennen würde - ästhetischen weltbeziehung

mit der palette an titulierungen seiner steinarbeiten weist hanno metzler auf diesen umstand hin. es sind dies titel wie "meer", "fremdbild selbstbild", "reissbrett" "gitter", "vorstoss" "panzerung" oder auch "willkür", so willkürlich hier einzelne titel herausgegriffen wurden. abwechselnd finden sich bezeichnungen als konkreter hinweis auf formal-konstruktive grundlagen, als assoziative öffnung hin zu organisch-natürlichen beziehungspunkten, aber auch als überleitung zu poetischen chiffren.

die ausgangslage ist immer dieselbe: fläche und tiefe gleichzeitig. hanno metzler schafft es, trotz der körnigkeit des materials, eine spielerische komponente einzubringen. die lust am gestalten und variieren geometrischer ausgangssituationen ist durch die gesamte serie spür- und sichtbar. grundmuster werden wiederholt und dennoch ist es nur eine scheinbare wiederholung, die zum ornamenthaften führt: material und manuelles arbeitsverfahren lassen nur annäherungen zu, geringfügige abweichungen vom exakt musterhaften geben den arbeiten eine unterschwellige augenmaßstäblichkeit.

es entsteht ein effekt, der anolog zu archäologischen forschungen steht: das scheinbar maßstabgetreue modell eines antiken bauwerkes wie etwa der akropolis hat nicht dieselbe ausstrahlung wie das original. der grund liegt in den geringfügigen abweichungen des säulenabstände. während das modell von einer exakten durchmessung der abstände ausgeht, variiert das original jeweils um einige zentimeter.

hanno metzler weiß um diesen effekt: maschinell-industrielle glätte und leblosigkeit ist nicht sein metier. so spielt auch der lichteinfall unter wechselnden bedingungen, dem die arbeiten ausgesetzt sind, eine wichtige rolle für die lebendigkeit, die aus seinen steinen spricht. ebenso bedeutsam für die vorliegende werkgruppe ist die qualität des haptischen, die einfühlsamkeit des begreifens, zu der der stein einlädt.

es sind arbeiten, deren oberfläche nicht an der oberfläche haften bleibt.

roland jörg

 

 

   
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